• Armin Grasmuck

So finden Sie den richtigen Ladetarif

Von attraktiv bis preisintensiv: Die Preise für Autostrom unterscheiden sich mitunter gravierend. Es lohnt sich, die Angebote mit klarem Blick zu analysieren.


Die Infrastruktur wächst in gleichem Maße wie das Interesse an der Elektromobilität. Es gilt für öffentliche Lademöglichkeiten genau wie für das Strom tanken im privaten Bereich oder im Büro. Zuhause profitieren die Fahrer batteriegetriebener Autos von einer Wallbox – und von dem für sie passenden Stromtarif, der von zahlreichen Unternehmen angeboten wird. Ihre Preise unterscheiden sich mitunter gravierend. Es lohnt sich, die elektrisierenden Offerten mit nüchternem Blick zu analysieren.


Der Autostrom ist prinzipiell der gleiche Strom, der auch Küchengeräte, den Fernseher und Waschmaschinen antreibt. Im Idealfall berechnet der Anbieter jedoch einen niedrigeren Arbeitspreis. Dies ist ein bedeutender Aspekt, weil das Elektroauto deutlich mehr Kilowattstunden (kWh) verbraucht als ein Toaster oder der Gefrierschrank. E-Fahrzeuge gelten, wie etwa der Durchlauferhitzer, als Großverbraucher. Normalerweise ist er durchschnittlich rund 20 Prozent günstiger als der konventionelle Haushaltsstrom.


Diese Ersparnis für den Verbraucher fußt auf dem Energiewirtschaftsgesetz, das dien Stromversorgern die Möglichkeit einräumt, E-Autos als „steuerbare Verbrauchseinrichtungen „ zu betrachten. Platt ausgedrückt: Der Anbieter kann die jeweilige Ladestation des batteriegetriebenen Fahrzeugs zeitweise ein- und ausschalten. Im Gegenzug wird der Besitzer des E-Autos mit einem günstigen Tarif belohnt, weil er die Netzstabilität dadurch unterstützt, dass der Stromanbieter die Versorgung des Elektrofahrzeugs bei hoher Stromnachfrage unterbrechen kann.


Doch aufgepasst: Es gibt eine Reihe von Studien, die belegen, dass der Autostrom keineswegs immer günstiger als normaler Haushaltsstrom ist. Ein klarer Vorteil ist, dass der Nutzer sich im Gegensatz zu den öffentlichen Ladestationen die Stromquelle aussuchen und per Vertrag beispielsweise gezielt auf Ökostrom setzen kann. Zumeist wird der Autostrom in zwei verschiedenen Varianten angeboten. Bei Option eins wird über den Hausstromzähler abgerechnet. Wie viel Strom in das E-Fahrzeug fließt, wird nur selten exakt ausgewiesen. Der Stromversorger kalkuliert in diesem Fall mit einer Mischkalkulation. Es ist der perfekte Mix für Elektroautofahrer, die weniger als 10.000 Kilometer im Jahr zurücklegen.


Kosten des Autostroms errechnen sich aus zwei Komponenten


Für Vielfahrer mit höherem Verbrauch ist der Einbau eines eigenen Stromzählers für das E-Auto höchstwahrscheinlich die bessere Option. Die Installation dieses Messgeräts ist zwar deutlich günstiger als eine Wallbox, sie hat jedoch auch ihren Preis.


Die Kosten des Autostroms setzen sich generell aus zwei Komponenten zusammen – dem monatlichen Grundpreis, der aktuell zwischen acht und 20 Euro liegt, und dem Arbeitspreis für den aktuellen Verbrauch, der nach oben wie unten ausschlagen kann. Die Mehrheit der Anbieter berechnet aufgrund der aktuell hohen Energiepreise zwischen 30 und 60 Cent pro Kilowattstunde.


Stichwort Wallbox. Allein aus Sicherheitsgründen sollten die Besitzer von Elektroautos nur im Notfall über eine herkömmliche Steckdose laden. Professioneller und mit deutlich schnelleren Ladezeiten beziehen sie den Strom aus der Wallbox. Diese Ladestationen stellen die perfekte, weil auf die akkubetriebenen Fahrzeuge abgestimmte Infrastruktur für Zuhause oder im Bereich der Arbeitsstätte dar.


Die Wallbox ist die eine komfortable und bequeme Alternative zur öffentlichen Ladestation. Sie spart dem E-Fahrer in jedem Fall die Extratouren zum Aufladen an den oft weiter entfernten Ladepunkten. Dazu kommt der Umweltaspekt: Die Wallbox passt zu der Entscheidung, ein E-Auto zu fahren. Der Besitzer kann gezielt einen grünen Stromtarif wählen oder im Idealfall sogar die Energie der Wallbox über eine eigene Photovoltaik- oder Solaranlage gewinnen.


Frische Energie zum Nulltarif


Es sind oft noch Geheimtipps, doch von den kostenbewussten Freunden der Elektromobilität werden sie gezielt angefahren: Ladestationen, von denen der Strom kostenfrei in die Autobatterie fließt. Populär sind die Parkplätze im Einzelhandel. Aldi, Ikea, manchmal auch Lidl und Kaufland oder Rewe machen ihren Kunden Tag für Tag Stromgeschenke. Kein Anmelden, keine Ladekarte. Einfach den Stecker in die Ladebuchse – und los geht‘s. Auch einige Parkhäuser, Museen, Skigebiete und Behörden erlauben das Gratis-Laden, etwa das Parkhaus am Potsdamer Platz in Berlin oder die Messe in München-Riem. Klar ist: Das kostenfreie Laden funktioniert nur während der offiziellen Öffnungszeiten.

 

Wallbox || Zuhause oder im Unternehmen



Wallboxen, egal welches Modell, werden an einer separat abgesicherten Zuleitung der Hausinstallation angeschlossen. Die Unterschiede für den Kunden bestehen in Form von Ladeleistung und Bedienkomfort des jeweiligen Geräts. Es gibt Wallboxen für einphasigen oder für dreiphasigen Anschluss. Die einphasige Variante liefert eine Stromstärke von maximal 20 Ampere (A), was einer Ladeleistung von 4,6 Kilowatt (kW) entspricht. Dreiphasige Versionen haben 11 kW (3 x 16 A) oder bis zu 22 kW (3 x32 A).


Eine Ladeeinrichtung muss immer beim Netzbetreiber angemeldet werden, genehmigungspflichtig sind nur Wallboxen mit über 11 kW Ladeleistung. Je nach Wallbox und Bordladegerät des Fahrzeugs fällt die Ladedauer kürzer oder länger aus. Der Typ-2-Stecker ist in Europa Standard. Wallboxen sind mit einer Ladebuchse oder einem angeschlagenen Ladekabel erhältlich. Letzteres ist sehr komfortabel zu nutzen, weil für den Ladevorgang kein Kabel aus dem Kofferraum geholt werden muss.

 

Frei laden || An öffentlichen Ladesäulen



Massiv wächst die Infrastruktur für Elektrofahrzeuge, die Bundesnetzagentur gab zu Beginn des Jahres mehr als 50.000 öffentliche Ladestationen in Deutschland an. Doch das sind keineswegs alle. Zwölf Prozent der aufgenommenen Energiemengen werden inzwischen auf halböffentlichen Kundenparkplätzen geladen.


Zum problemlosen Ladevorgang gehört ein einfaches und verständliches Bezahlsystem. Der Griff zur Kredit- oder EC-Karte, wie ihn Kunden im Supermarkt oder an der Tankstelle gewohnt sind, hilft an der Ladestation jedoch selten. Doch ab Mitte 2023 greift die neue Ladesäulenverordnung, die alle Anbieter verpflichtet, das Bezahlen mit Kreditkarte zu ermöglichen. Die gängigsten Methoden beim Bezahlen an öffentlichen Ladepunkten sind derzeit per Ladekarte – mit Rechnung meist zum Monatsende – oder per App über das Smartphone, hier wird oft direkt abgebucht. Ladekarten werden meist nur gegen das Kontaktfeld an der Säule gehalten, dann wird der Ladevorgang gestartet.

 

Festpreis || Gebunden mit Grundgebühr



Wer sein E-Auto unterwegs laden möchte, muss sich früher oder später mit den stark schwankenden Preismodellen der Ladensäulenbetreiber auseinandersetzen. Lade-Flatrates und Tarife mit festen Arbeitspreisen bieten die Möglichkeit, den Stromaufwand verlässlich zu kalkulieren. Die Fixpreisofferten versprechen zudem mehr Komfort und Flexibilität.


Ladetarife bieten festgelegte Arbeitsgebühren pro Kilowattstunde und damit Preissicherheit. Die Fahrer der Elektrofahrzeuge wissen vorab, welcher Preis pro Kilowattstunde zu zahlen ist, wenn sie eine Ladesäule ihres Tarifanbieters ansteuern. Eine richtiggehende Lade-Flatrate offerieren derzeit erst wenige Anbieter, fast alle sind nur regional verfügbar – was selbstverständlich auch mit den in ganz Europa stark angestiegenen Strompreisen zu tun hat. Es gibt Flatrates, die zwischen Ladungen in Wechselstrom (AC) und dem schnelleren Gleichstrom (DC) unterscheiden, und solche, die beide Stromarten beinhalten.

 

Angebote || Der großen Hersteller



Viele Hersteller von Elektroautos bieten zu ihren Fahrzeugen eigene Ladepakete an, oder auch Ladekarten, und somit eigene Ladetarife. Grundsätzlich sind diese speziellen Angebote nur für die Käufer der entsprechenden Fahrzeuge vorgesehen. Manche Hersteller erlassen in der Anfangszeit die Grundgebühr.


Höchst attraktiv und komfortabel ist bis heute das Hausangebot für die Fahrer von Tesla. Laut dem Fachmagazin „Auto Motor und Sport“ liegt Polestar in der Kategorie Vielfahrer mit günstigen Tarifen vorn, gefolgt von Hyundai, BMW/Mini, Audi und Nissan. Bei Mercedes, Porsche, Renault, Stellantis und VW ließen sich in dem Test aufgrund fehlender Preisgarantien keine konkreten Ergebnisse ermitteln. Im Segment der Wenigfahrer liefert Hyundai den besten Stromtarif, gefolgt von BMW/Mini, Nissan, Polestar und Audi. Schnellen Strom für schnelle Autos gibt es entsprechend preisintensiv bei Porsche. Grundgebühr: 179 Euro im Jahr. Dazu kommen die Beträge an der Ladesäule selbst.