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  • AutorenbildArmin Grasmuck

Doppelinterview mit den Eon-Chefs Mathias Wiecher und Arjan van der Eijk

Die Eon-Chefs Mathias Wiecher und Arjan van der Eijk erklären,

in welchen Bereichen der Energiekonzern die Transformation vorantreibt – und wie sie das Stromziehen an den öffentlichen Ladestationen noch transparenter gestalten werden.



Die Elektromobilität erreicht den Massenmarkt – und Eon ist mit voller Kraft dabei. Was bedeutet diese große Transformation für einen international agierenden Energiekonzern?


Mathias Wiecher: Wir haben vor zwei Jahren unsere neue Strategie entwickelt, fokussiert auf Wachstum, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Eon investiert in diesem Geschäftsfeld, weil die allseits angestrebte Dekarbonisierung der Gesellschaft nur mit einer Mobilitäts- und einer Energiewende funktioniert. Dies geht nur mit der Elektromobilität, bei Autos und Lkw. Wir sind davon überzeugt, dass Eon hier eine große Rolle spielen kann – als Energieunternehmen, Energiemanager und einer der größten Energieversorger Europas.


Arjan van der Eijk: Wir bieten unseren Kunden Lösungen an, wie die Wallbox für zuhause. Aber auch denjenigen, die keine Eon-Kunden sind, damit diese unterwegs laden können – etwa an den Autobahnen, in den Städten oder an Großparkplätzen, also an allen Orten des täglichen Lebens integriert.

Wiecher: Die Mission, die wir verfolgen, lautet, das Nutzen des Elektroautos oder auch des E-Lkw radikal zu vereinfachen. Der Alltag soll einfacher werden, indem die Ladeinfrastruktur überall da ist, funktioniert und grüne Energie liefert, wo sie benötigt wird.


Privat oder geschäftlich: Eon liefert die Wallbox für die heimische Garage (links) – im Testzentrum in Essen werden Lkw geladen.

Strom ist seit jeher Ihr Geschäft. Wie hart wird der Kurswechsel, auch bedingt durch die nachhaltige Art des Energiegewinnens ausfallen?


Van der Eijk: (lacht) Wir verkaufen weiterhin Kilowattstunden! Diese kommen nun aus dem Ladegerät und nicht mehr ausschließlich aus der Steckdose. Das Kerngeschäft bleibt also unverändert.


Wiecher: Da sollten wir einen Schritt zurück machen. Die Transformation, welche die Energiewelt durchmacht, ist fundamental. Von zentralen Großerzeugern zu dezentralen Kleinerzeugern, die alle unterschiedliche Profile haben. Die Nachfrage, also die Abnahmesituation von Strom ändert sich stetig, mit Wärmepumpen und der Eigenerzeugung über Photovoltaikanlagen auf dem Dach bei Privatkunden oder auch mit dem Elektroauto. Das bedeutet auf der einen Seite: Eon als Netzbetreiber, das funktioniert nur mit einem starken Netz. Und idealerweise lösen wir einen Großteil dieser Aufgaben nicht nur durch einfach mehr Kupfer und Aluminium, sondern durch eine intelligente Steuerung. Genau hier kommt die Elektromobilität: Sie ist Teil der Lösung, weil sie über eine Batterie funktioniert und den Strom zurückspeisen kann.


Sauberer Strom: Der Ökostrom von Eon kommt zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energiequellen – bei seinen Ladestationen setzt der Konzern auf Transparenz.

Wie schaffen Sie es, Ihre Mitarbeiter von dem neuen Kurs zu überzeugen?


Van der Eijk: Es ist natürlich ein Wandel, weil wir vieles über die Digitalisierung angehen. Dafür brauchen wir die Fachkräfte, die das können. Es gibt also auch hier neue Profile. Die Lösungen bieten wir unseren Kunden schon länger an. Photovoltaikanlagen für den privaten Bereich, Smart-Home-Anwendungen oder Wallboxen – das machen wir seit vielen Jahren. Wir haben gelernt, was die Bedürfnisse der Kunden sind.


Arjan van der Eijk, COO von Eon Drive Infrastructure: Als operativ verantwortlicher Geschäftsführer des Bereichs Infrastruktur treibt Arjan van der Eijk für Eon den Ausbau der öffentlichen Ladestationen für Elektroautos und -Lkw voran. Zuvor war er als CEO der ehemaligen innogy Mobility Solutions, einer von RWE gegründeten E-Mobility-Tochter, im Einsatz. Mittlerweile ist er seit fast 30 Jahren in der Energiewirtschaft aktiv.

Ist das Testzentrum für Elektromobilität, das Sie Anfang des Jahres in Essen eröffnet haben, ein Eckpfeiler, an dem sich alle – auch potenzielle Kunden und Geschäftspartner – orientieren können?


Wiecher: Es ist ein Zeichen, dass wir investieren und unseren Teil dazu beitragen möchten, dass das Thema Dekarbonisierung und die Herausforderungen der neuen Energiewelt gelöst werden. Gleichzeitig haben wir uns gefreut, dass am Tag der Eröffnung so viele Kunden, Partnerunternehmen, zum Teil sogar Wettbewerber bei uns zu Gast waren. Es ist auch eine Einladung an alle Marktteilnehmer, gemeinsam mit uns an den Lösungen zu arbeiten, zu innovieren und zu testen. Einer der wesentlichen Gründe für dieses Testlabor ist, eine Plattform zu bieten, auf der wir gemeinsam an den Lösungen arbeiten können.


Van der Eijk: Wir können es auch nicht alleine. Wir brauchen Partner, die Partner brauchen uns. Die neue Technologie ist ein wesentlicher Teil des Erfolgs.


Im neuen Labor können Sie unter extremen Bedingungen testen. Auch sind dort Innovationen wie die Wallbox für das bidirektionale Laden ausgestellt. Wie nahe sind diese an der Marktreife?


Wiecher: Wir versuchen in dem Testzentrum alle Facetten abzudecken. Es geht darum die Alltagstauglichkeit von Produkten, die wir bereits auf dem Markt haben, kontinuierlich im Blick zu halten. Da testen wir etwa auf Temperatur, Über- oder Unterspannung ...


Van der Eijk: ... bis auf das niedrigste Niveau. Auch wenn eine neue Software für unsere öffentlichen Ladesäulen kommt, wird im Testlabor zuerst geprüft, ob sie technisch einwandfrei ist.


Wiecher: Darüber hinaus finden in unserem Testzentrum eben auch Innovation und Kollaboration statt. Die angesprochene bidirektionale Wallbox gibt es schon im Markt. Ist das schon ein Markt? Nein. Wird das ein Markt im nächsten Jahr? Vielleicht in Anfängen. Wird es in vielen Jahren ein Markt sein? Ja. Wir beschäftigen uns beispielsweise auch mit induktivem Laden.


Das Laden, die Batterien und die entsprechende Software in den Elektrofahrzeugen entwickeln sich rasant. Ist Ihr Testzentrum der ideale Ort, um auf dem Stand der Technik zu bleiben?


Van der Eijk: Es gibt uns und unseren Partnern die Möglichkeit, auf der Höhe des Fortschritts zu agieren. Ein gutes Beispiel ist der neue Stecker für die Lkw nach MCS-Standard. Um dieses Megawattladen testen zu können braucht es eine spezielle Power. Wir können es anbieten – und die Resonanz vonseiten der Hersteller ist sehr positiv.


Derzeit testen Sie unter anderem mit Stromern von Audi und BMW sowie mit Lastwagen von Mercedes und ­Volvo. Wie sind derartige Kooperationen konkret beschrieben?


Wiecher: Ein Partner, mit dem wir bereits längere Zeit zusammenarbeiten, ist BMW. Hier liegt der Fokus darauf, das Zusammenspiel von Zuhause und Auto nachhaltig zu verbessern. Es geht speziell darum, die Batterie des Autos bestmöglich in das Energiesystem zuhause einzubinden, um so grün wie möglich, so günstig wie möglich und so effizient wie möglich laden zu können. Und im besten Fall von der Batterie wieder zurück ins System.


Van der Eijk: Das betrifft auch das öffentliche Laden. BMW erhält zum Beispiel aus seinen Autos auch viele Daten, die an den Ladesäulen generiert werden. Auf dieser Basis können wir gemeinsam daran arbeiten, das Ladeerlebnis der BMW-Kunden zu verbessern.


Sie haben angekündigt, bis 2030 rund 1.000 neue öffentliche Ladepunkte pro Jahr von Lappland bis Sizilien eröffnen zu wollen. Wie kommen Sie in diesem Bereich voran?


Van der Eijk: Im vergangenen Jahr haben wir 1.200 neue Ladepunkte errichtet, es war allerdings noch ein Mix aus Schnellladern und den langsameren AC-Stationen in der Stadt. Dieses Jahr werden wir rund 2.000 neue Ladepunkte bauen, davon 1.000 Schnelllader. Wir sind in neun, bald zehn Ländern am Start. In einigen sind wir bereits relativ groß, in anderen fangen wir gerade an. Der groß angelegte Auf- und Ausbau läuft auf Hochtouren.


Im Segment der öffentlichen Ladepunkte herrscht ein harter Konkurrenzkampf. Welche Vorteile bieten die Stationen von Eon?


Van der Eijk: Wir bauen unsere Ladepunkte immer passend zum Standort. Nicht überall kann ein Lkw problemlos anfahren. Es braucht auch nicht überall 20 Ladepunkte, auf dem Parkplatz eines Supermarkts reichen vielleicht vier aus. Wir wollen das Ladeerlebnis für unsere Kunden so gut wie möglich vereinfachen. Auch digital. Wo können sie uns finden? Wie sind die Preise dort? Auch bei der Bedienung der Säulen, einfach und effizient. Parkplätze, die groß genug sind. Unsere größeren Ladeparks werden auch überdacht sein, dazu Sitzbänke, Mülleimer, Toiletten und Getränkeautomaten. Alles, was dazugehört, um unseren Kunden die Zeit, die sie an der Ladestation verbringen, so angenehm wie möglich gestalten können.


Wie bringen Sie sich als Kooperationspartner, etwa beim Premiumladepark von Mercedes in Mannheim, ein?


Wiecher: Mercedes hat sich zum Ziel gesetzt, ein eigenes Ladenetz in ­Europa zu etablieren, und setzt auf Eon als strategischen Partner. Wir unterstützen Mercedes dabei, die Standorte zu suchen, zu planen, zu bauen und letztendlich auch zu betreiben. Zudem geht es darum, auch auf der Energieseite intelligente Lösungen wie Plug-and-charge zu entwickeln.


Matthias Wiecher, CCO von Eon Drive: Der Geschäftsführer der Eon Drive GmbH, offiziell: Chief Commercial Officer, ist für das globale Wachstum des Energiekonzerns im Segment der Elektromobilität verantwortlich. Er agiert seit 2014 im Unternehmen, anfangs beim Inhausberater Econ. Zuvor hatte er Mathematik an der Uni Münster studiert und als Managementberater bei Kearney gearbeitet.

Das Kernthema Infrastruktur hakt noch an vielen Stellen. Was kann Eon als Energielieferant, Dienstleister und Produzent dazu beitragen, dass es in diesem Bereich verlässlich vorangeht ?


Van der Eijk: Ja, es gibt mitunter noch Bedenken, ob überhaupt genug Infrastruktur da ist. Da arbeiten wir gerade an allen Fronten. Stichwort Deutschland-Netz. Das Thema öffentliche Infrastruktur wird in den nächsten Jahren gelöst, davon bin ich überzeugt. Es ist derzeit schon eine starke Verbesserung zu registrieren. Ich fahre seit vier Jahren elektrisch und hatte nur einmal Reichweitenangst, weil die Ladesäule, die ich angesteuert hatte, defekt war. Liegengeblieben bin ich nie.


Wie kann das Stromziehen noch transparenter gestaltet werden?


Van der Eijk: Preistransparenz ist ein wichtiger Punkt für uns. Wir möchten, dass der Kunde immer weiß, was er zahlt. So, wie wir es von den Tankstellen gewöhnt sind. Wenn man den Ladepark anfährt, gibt es da eine Säule oder ein Display auf dem Dach, das klar den Preis pro Kilowattstunde kommuniziert – natürlich auch auf dem Display direkt an der Säule. Dies gilt zudem für die entsprechenden Apps und die Navigationssysteme in den Autos, wir sind mit Apple und Google diesbezüglich im Austausch.


Wiecher: Es gilt speziell auch für unsere Eon-Lade-App. Wenn Sie darüber laden, bei anderen Anbietern, können Sie immer erst starten, nachdem Sie über den aktuellen Preis informiert worden sind. Es geht uns darum, dass unsere Kunden absolut sicher sein können, was die Tarife betrifft. Wir versuchen das Preissystem auch so gut wie möglich zu vereinfachen, damit sich unsere Kunden nicht groß den Kopf zerbrechen müssen, wo und zu welchen Tarifen sie laden. Die Produkte sind da, die Infrastruktur ist da. Wir als Eon und die anderen Marktteilnehmer haben viel investiert. Wenn man betrachtet, wie viel Leistung in Deutschland und ganz Europa vorhanden ist und wie viel genutzt wird: Da ist noch reichlich Platz für neue Elektroautos.


Das Jahr 2030 ist ein markantes Eckdatum der Transformation, an dem viele Prognosen ausgerichtet sind. Wie wird sich die Elektromobilität in den nächsten sechs Jahren entwickeln?


Wiecher: Ich denke, das Stadtbild wird sich insgesamt verändern. Nicht unbedingt wegen der Elektromobilität, sondern weil die Menschen sich ihre Städte zurückholen. Paris ist das große Beispiel. Da ist fast jede Straße inzwischen eine Fahrradstraße. Die politische Vision sind 15 Millionen E-Autos bis 2030. Doch selbst wenn es einige weniger sind: Die Elektromobilität ist dann Mainstream.


Van der Eijk: Die Qualität der Ladeinfrastruktur wird bis dahin auf jeden Fall besser auf das Nutzerverhalten abgestimmt sein. Wenn Sie an der Autobahn laden, steht dann immer ein 200-kW-Gerät bereit, weil es schnell gehen muss. In der Stadt reichen auch 50 oder 100 Kilowatt. Das Laden ist dann Normalität. Sie werden immer genau die Säule finden, die Sie gerade brauchen.



 

Eon: Energie für die Zukunft


Die börsennotierte Eon SE – in der Firmenschreibweise E.ON – ist 1999 aus der Fusion der Mischkonzerne Veba und Viag entstanden – und einer der größten Energieversorger Europas. Bereits 2014 kündigte das Unternehmen an, künftig auf fossile Energie zu verzichten. Eon konzentriert sich hauptsächlich auf die Bereiche Energienetze und Kundenlösungen. Es geht um die Verteilnetze für Strom und Gas und deren sicheren Betrieb sowie Produkte und Dienstleistungen für Privatkunden, mittelständische und große Unternehmen.


Eon Drive ist der Bereich, der einfache wie komfortable Lösungen auf dem Weg in die Elektromobilität anbietet. Zuhause laden, unterwegs laden, die adäquaten Energieleistungen und Förderprämien – so ist dieses Segment umrissen. Eon Drive bietet Privat- und Geschäftskunden intelligente Komplettlösungen. Über die Eon Drive Comfort App können die Fahrer von Elektrofahrzeugen zudem an mehr als 370.000 Ladepunkten in Europa ihren Strom ziehen.











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