Vom Verbrenner zur E-Flotte: Wie Unternehmen die Mobilitätswende meistern
- Wolfgang Plank
- vor 7 Stunden
- 5 Min. Lesezeit
Eine klare Strategie und die Software der modernen Art: Zahlreiche Unternehmen beschäftigen sich konsequent damit, ihren Fuhrpark nachhaltig zu elektrifizieren. Speziell im Einzelhandel und dem Baugewerbe schlummert noch riesiges Potenzial.

Sie kommt einfach nicht wie gewünscht um die Kurve, die viel beschworene Mobilitätswende. Die EU-Kommission weicht die CO2-Vorgaben auf, Details einer in Berlin vollmundig angekündigten neuen E-Autoförderung stehen immer noch aus – und die Weltlage scheint eher dazu angetan, das Geld zusammenzuhalten und abzuwarten. Immerhin: Die Nachfrage nach Elektroautos hat wieder deutlich angezogen. Mehr als 545.000 reine Batterieautos sind im Jahr 2025 neu auf die Straße gekommen – knapp die Hälfte mehr als im äußerst schwachen Vorjahr und so viele wie nie, seit das Kraftfahrt-Bundesamt diese Statistik führt. Damit ist aktuell fast jeder fünfte Neuwagen ein Stromer. Einen echten Schub vermögen Fachleute dennoch nicht zu erkennen. Der erhoffte Hochlauf vollziehe sich deutlich langsamer und zäher als erwartet, heißt es.

Allerdings ist für den großen Durchbruch in Deutschland der private Automarkt ohnehin nicht entscheidend. Die zentrale Rolle für die Elektrifizierung des Straßenverkehrs spielen die Unternehmen. Schließlich werden zwei von drei neuen Autos zwischen Rügen und den Alpen gewerblich zugelassen. Der finanzielle Anreiz: Anders als das bei Verbrennern übliche eine Prozent vom Kaufpreis muss bei rein elektrischen Dienstwagen lediglich die Hälfte davon als geldwerter Vorteil versteuert werden. Liegt der Bruttolistenpreis unter 100.000 Euro, ist es gar nur ein Viertel Prozent. Obendrein sind Stromer für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Soll der Straßenverkehr CO2-neutral werden, führt der Weg also wohl nur über die großen Flotten.
Dort hat man die Vorteile durchaus erkannt. Elektromodelle sind zwar in der Anschaffung zumeist noch immer teurer, dafür liegen Betriebskosten und Wartung in aller Regel spürbar unter dem Niveau der Verbrenner. So lautet jedenfalls die Faustregel. Zunehmend jedoch geht es bei der Mobilitätswende um mehr als nur Geld. Weil Klimawandel und Umweltschutz verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken, sehen nicht selten Kunden wie Mitarbeiter eine Umstellung des Fuhrparks als praktizierten Innovationsgeist und Ausdruck von Verantwortung.
Herausfordernder Systemwechsel
Da ist man in vielen Firmen längst weiter als die Politik. Siemens, SAP, Coca-Cola, DHL, Amazon – die Liste der Unternehmen, die in großem Stil auf E-Autos umsteigen, wird täglich länger. Doch vor allem im Einzelhandel und im Baugewerbe schlummert noch gewaltiges Potenzial. Experten sind überzeugt, dass es hunderte Eigner von Flotten mit mehreren tausend Fahrzeugen gibt.
Doch der Systemwechsel ist alles andere als einfach und für kleinere Unternehmen deutlich schwieriger als für Konzerne. Schließlich ist es mit dem simplen Kauf oder Leasing von ein paar E-Autos nicht getan. Denn schon da stellt sich die Frage: Sollen nur Dienstwagen elektrisch fahren oder auch die Nutzfahrzeuge? So oder so: Im Spannungsfeld zwischen Reichweite, Einsatzzweck und Budget lauern jede Menge Möglichkeiten für folgenschwere – und damit teure – Fehler. Jedoch kaum welche, die man mit sorgfältiger Planung und kluger Software nicht vermeiden könnte. Vorausgehen sollte der firmeneigenen Transformation in jedem Fall eine umfangreiche Analyse, wie sie immer mehr Dienstleister anbieten. Dabei werden die aktuellen Fahrzeuge nach Modell, Alter und Zustand erfasst, dazu die üblichen Einsatzorte, Fahrtrouten und speziellen Anforderungen.

Intelligent transformieren
Erst im Anschluss an diese Bestandsaufnahme lassen sich die optimalen Elektrofahrzeuge überhaupt ermitteln. Da spielt auch die Verfügbarkeit hauseigener Wallboxen oder externer Charger eine Rolle. Es macht schließlich einen Unterschied, ob ausschließlich Firmenfahrzeuge laden – oder obendrein die von Mitarbeitern, Gästen und Kunden. Womöglich rentiert sich sogar eine eigene Photovoltaikanlage. Obendrein sollen die potenziellen Modelle Anforderungen an Akkugrößen und Ladetempo ebenso genügen wie an Nutzlast und schnellen Kundendienst. Und ja – beim Händler zu haben sein sollten sie auch.
In Zeiten von Kriegen und brüchigen Lieferketten ist dies längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Kollateralnutzen einer intelligenten Umstellung des Fuhrparks: Per Smart Grid könnten die Batterien der E-Autos tagsüber günstigen Strom aus erneuerbarer Energie speichern, um ihn nachts wieder ins Netz einzuspeisen. Dieses bidirektionale Laden glättet Verbrauchsspitzen und senkt die Kosten.

Selbst zum lästigen Drumherum des kolbenlosen Antriebs kann man sich bei den Anbietern von Rundum-Sorglos-Paketen wie Elli, Webfleet oder E-mobilio beraten lassen – und notfalls auch davon befreien. Sei es die Schulung der Mitarbeiter für die neue Technik, den effizientesten Fahrstil im batteriegetriebenen Auto, die Dokumentation der Umweltbilanz, mögliche Ausgleichszahlungen für CO2-Emissionen oder die ständige Beobachtung von Förderrichtlinien und Vorschriften. Ebenfalls immer wichtiger: die schlaue Datenerfassung. Notwendig ist dies vor allem dann, wenn Angestellte zwar für die Firma fahren, aber unterwegs oder zuhause laden. Der gezapfte Strom für das Fahrzeug wird unabhängig vom Standort automatisch und transparent ermittelt, vom Arbeitgeber zurückerstattet – und beim Finanzamt kann niemand mehr meckern. Es klingt nach Paradies.

Kommunikation in Echtzeit
Die Hersteller von Nutzfahrzeugen wie Ford oder Stellantis bieten ebenfalls maßgeschneiderte Lösungen für Software, Technik, Service, Finanzierung und Fuhrparkmanagement – Live-Infos zu Fahrzeugzustand, Restreichweite und Telematikdaten inklusive. Sie bilden die Grundlage für die intelligente Steuerung von Routen, Ladestopps und anderen Standzeiten. Egal, ob man nun drei Autos sein Eigen nennt, dreißig oder dreihundert. So ein gewerblich genutztes Mobil verdient schließlich nur Geld, wenn es fährt.
Aktuelles Top-Level ist die Echtzeitkommunikation zwischen Flottenmanagern und Fahrern vor Ort. Im Klartext: Aufträge ploppen optimiert zum Akkustand im Display auf, die neuen Zielorte landen samt Route sofort im Navi, und die Disponenten werden zeitgleich über den aktuellen Status informiert. Lästiges Telefonieren im Dreieck war gestern.

Und was die reinen Dienstwagen angeht: Für die gesamtelektrische Zukunft könnten sie durchaus einen kleinen Schub bringen, findet die Kreditanstalt für Wiederaufbau, kurz KfW. Ihre Einschätzung: „Neben dem maßgeblichen Einfluss der Unternehmensflotten auf den gesamtdeutschen Fahrzeugbestand bestimmen gewerblich zugelassene Autos in wenigen Jahren den Gebrauchtwagenmarkt und prägen somit das Mobilitätsverhalten in Deutschland über einen langen Zeitraum.“
Die nicht-staatliche Dachorganisation Transport and Environment (T&E) schätzt, dass bis zum Jahr 2035 bis zu sieben Millionen
zusätzliche Elektroautos als Gebrauchtwagen verfügbar sein könnten — davon allein 1,7 Millionen in Deutschland. Somit käme man dem noch unter der früheren Kanzlerin Angela Merkel ausgerufenen Ziel von 15 Millionen Elektroautos bis 2030 zumindest ein kleines Stück näher.



