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„Wir bieten Lösungen in jedem Segment“: Keba-Strategen Christoph Knogler und Stefan Richter im Interview

  • Autorenbild: Armin Grasmuck
    Armin Grasmuck
  • vor 22 Minuten
  • 7 Min. Lesezeit
Fotos: Thomas Riese, Keba
Fotos: Thomas Riese, Keba

Sie treiben das Thema Elektromobilität in Ihrem Unternehmen nachhaltig voran. Vor wenigen Wochen haben Sie eine Schnellladesäule vorgestellt, die über einen Avatar verbal mit den Autofahrern kommuniziert. Welche Reaktionen haben Sie auf diese innovative Präsentation erhalten?


Stefan Richter: Das Feedback war extrem positiv. Speziell mit den beiden Praxisfällen, die wir exemplarisch vorstellten, scheinen wir ins Schwarze getroffen zu haben. Einerseits der Tarifvergleich: Mit welcher Karte lade ich hier am günstigsten. Auf der anderen Seite: Unterstütze mich, wenn ich Hilfe an der Ladesäule brauche. Viele unserer Bestandskunden, aber auch potenzielle Neukunden meinten, dies seien genau die Themen, die auch sie umtreiben. Besonders bei den Schnellladesäulen, unterwegs, wenn es fix gehen soll. Da ist Unterstützung gefragt. An der Wallbox zuhause weiß ich ohnehin, wie es funktioniert.


An der Schnellladesäule sämtliche Ladetarife vergleichen zu können, bei Bedarf auch in anderen Sprachen: Kommt hier die spezielle Qualität der Automatisierungsexperten von Keba zum Tragen?


Christoph Knogler: Wir sind als Unternehmen seit Jahrzehnten mit dem Thema Human Machine Interface beschäftigt. Keba kommt ursprünglich aus der Automatisierungstechnik in der Industrie und betreibt das Segment Industrial Automation bis heute. Wir sind also immer wieder mit der Herausforderung konfrontiert, komplexe Maschinen möglichst einfach bedienbar zu machen. Diese Kernkompetenz haben wir in unseren unterschiedlichen Produktgruppen fest verankert, sie entwickelt sich sukzessive weiter. Jetzt haben wir einen Prototypen mit KI-basiertem Sprachassistenten präsentiert. Da stellt sich natürlich die Frage: Welche Herausforderungen hat der Kunde, der vor dieser Ladesäule steht. Das haben wir gelöst. Und wenn wir dies noch um die Komponente der künstlichen Intelligenz erweitern, eben über Sprachmodelle oder die Avatartechnologie, haben wir einen guten und evolutionären Schritt gemacht. Da versprechen wir uns natürlich auch positive Reaktionen an der Ladesäule.


Wie komplex ist es, die künstliche Intelligenz in diesen Bereich der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu integrieren?


Knogler: Die Herausforderung ist weniger das Schnellladen an sich. Was man technologisch beherrschen muss, ist das Zusammenspiel zwischen dem Sprachmodell, also der KI, und den einzelnen Prozessen, die in technischen Produkten klar definiert sind. Man muss sich darauf verlassen können, dass das, was ich brauche, in diesem Fall die Antwort des Avatars, immer dasselbe ist. Darin liegt unsere Kompetenz: neue Sprachmodelle, Algorithmen, also generative KI, für industrielle Geräte zu nutzen.


Zwischenstopp am Traunsee: Christoph Knogler (Mitte) und Stefan Richter (links) mit electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck.
Zwischenstopp am Traunsee: Christoph Knogler (Mitte) und Stefan Richter (links) mit electricar-Chefredakteur Armin Grasmuck.

Als Produzent hochwertiger Wallboxen ist Keba seit längerem im Markt etabliert. Was hat Sie dazu bewegt, Ihr Portfolio um DC-Ladeprodukte zu erweitern?


Knogler: Wir haben uns in dieser Phase, als die Nachfrage nach Ladeinfrastruktur in ganz Europa zurückging gefragt: Wie positionieren wir uns? Wie stellen wir uns für die Zukunft auf? Wir registrierten, dass die Konsolidierung des Markts bereits begonnen hatte – im AC- und im DC-Bereich. Man muss ehrlich sagen: Zuvor hatten wir in dieser Branche echte Goldgräberstimmung. Viele bekannte Unternehmen engagierten sich, dazu kamen auch zahlreiche Start-ups. Es war möglich, weil es eine hohe Nachfrage gab. Irgendwann dreht es sich, speziell nach Beginn des Ukraine-Kriegs. Förderprogramme wurden eingestellt. Da stellte sich heraus, wer einen langen Atem hat. Für uns war klar: Wir glauben fest an die Elektromobilität. Nicht nur im deutschsprachigen Raum, auch europaweit und global. Deshalb war es der logische Schritt, unser Portfolio zu erweitern. Wir wollten ein Vollsortimenter im Bereich der Ladeinfrastruktur sein. Jetzt bieten wir Lösungen in jedem Segment – als einer der großen Player bei den Wallboxen und im DC-Portfolio bis hin zum Lkw-Laden.


Stimmt es, dass speziell Gewerbekunden vermehrt beides im Unternehmen wünschen: Wallboxen und Schnelllader?


Richter: Das ist der Weg, den wir bereits seit ein paar Jahren verfolgen: weg vom klassischen Komponentenbauer, hin zum Lösungsanbieter. Wir bieten heute auch Service vor und nach dem Kauf, bauen auf ein Netzwerk von Servicepartnern. Für Hotels oder gastronomische Betriebe bieten wir etwa zusätzlich zu der Wallbox spezielle Software samt App und Portal an. Mit den leistungsstarken Schnellladern haben wir unser 360-Grad-Portfolio abgerundet. Und ja, in der Praxis sagen Betriebe durchaus: Wir installieren 20 Wallboxen und für Gäste, die nur kurz da sind und bei uns laden möchten, nehmen wir einen DC-Lader dazu.

Haben die Schnellladesäulen mittelfristig das größere Potenzial?


Knogler: Wenn wir als konkretes Beispiel die Supermärkte nehmen: Da war der Einsatz der Wallboxen tatsächlich eher suboptimal. Wenn ich von einer Einkaufszeit zwischen 15 und 45 Minuten ausgehe, da kann ich über den klassischen 11-kW-Wandlader nur wenig Strom ins Auto laden. Da ist ein Schnelllader die vernünftige und die bessere Lösung. Im Unternehmen sehe ich es anders. Da wird das Fahrzeug fünf bis acht Stunden geparkt, kann dort also durchaus langsamer geladen werden. Fakt ist: Der Großteil der E-Autos wird langsam geladen. Es hat also beides seine Berechtigung und es hängt immer vom Anwendungsfall ab.


Richter: Wir treiben gerade stark das fallspezifische Laden voran. Das Schöne an der E-Mobilität ist doch, dass ich nicht mehr an eine Tankstelle gebunden bin, sondern mir meine Ladeleistung so einrichten kann, wie es mir passt. Zum Beispiel im Restaurant: Da möchtest du nicht nach 30 Minuten aufstehen, rausgehen und umparken – weil du mit 200 oder 250 Kilowatt geladen hast. Dort positionieren wir unsere 40-kW-Wallbox, mit der das Auto in zwei Stunden geladen werden kann. Es ist also wichtig zu erkennen, in welchen Bereichen die Ladeinfrastruktur zum Einsatz kommt.


Treiber der Transformation: Stefan Richter (vorne) trat im Dezember 2023 die Nachfolge von Christoph Knogler als CEO von Keba Energy Automation an.
Treiber der Transformation: Stefan Richter (vorne) trat im Dezember 2023 die Nachfolge von Christoph Knogler als CEO von Keba Energy Automation an.

Wie bewerten Sie den aktuellen Trend, der Schnelllader vor Supermärkten, Restaurants und Möbelhäusern?


Knogler: Wir sind da schon aktiv. Das war auch ein Grund für die Entscheidung, unser Portfolio zu erweitern. Da gibt es bereits eine Kooperation, bei einigen Baumärkten sind wir auf den Parkplätzen verfügbar. Es läuft in diesen Fällen über den Charge Point Operator, kurz CPO, der die jeweiligen Ladepunkte betreibt. Für uns ist es wichtig, eng mit dem CPO zusammenzuarbeiten, um uns in den gemeinsamen Ausschreibungen entsprechend stark präsentieren zu können. Ein wichtiges Element in unserem Portfolio ist das Lkw-Laden. Wir sind davon überzeugt, dass der E-Lkw die Zukunft im Schwerverkehr ist. Da braucht es die passende Ladeinfrastruktur – und da sind wir bereits sehr gut positioniert.


Sie planen also keine eigenen Schnellladeparks entlang der Autobahnen und in Konkurrenz zu Tesla, Ionity und Co?


Knogler: Im Gegenteil. Wir freuen uns, wenn wir mit derartigen CPOs, die oft auch schon Kunden im AC-Bereich sind, in Zukunft solche Projekte auch mit Ladeinfrastruktur aus Kärnten und Osttirol, wo unsere Entwicklungs- und Produktionsstandorte für DC-Produkte sind, umsetzen können.


Richter: Wir unterstützen diese Partner auch aktiv. In solchen Projekten kann man nur gemeinsam erfolgreich sein. Speziell im Segment der kommerziellen Nutzfahrzeuge bieten wir neue Service-Level-Agreements an, in denen wir mit dem Betreiber klar vereinbaren, was die Verfügbarkeit, die Erreichbarkeit und Kunden-Support angeht.


Ist der mitunter komplizierte und schwer verständliche Akt des öffentlichen Stromziehens der Grund, der potenzielle Kunden weiterhin vor dem Umstieg auf E-Fahrzeuge zurückschrecken lässt?


Richter: Es gibt die Formel: Laden muss so einfach wie tanken werden. Ich bin davon überzeugt, dass es sogar noch viel einfacher wird. Mit Technologien wie Auto-Charge und Plug-in-Charge, die den Ladevorgang schnell, komfortabel und günstiger für den Nutzer machen.


Neu im Portfolio: Die DC-Ladegeräte von Keba werden in der Kärntner Marktgemeinde Kötschach- Mauthen sowie in Lienz/Osttirol entwickelt und produziert.
Neu im Portfolio: Die DC-Ladegeräte von Keba werden in der Kärntner Marktgemeinde Kötschach- Mauthen sowie in Lienz/Osttirol entwickelt und produziert.

Ein Thema, das die Branche gerade elektrisiert, ist das bidirektionale Laden. Wie bewerten Sie diesen Trend?


Knogler: Der Grund, warum das für die Elektromobilität eine kleine Revolution sein kann, ist, dass es die Mobilitätsanbieter und die Energiebranche noch näher zusammenbringt. Die Batterie auf vier Rädern, die wichtig für das Fahrzeug ist – und eben auch für die Energieversorgung, etwa als Pufferspeicher, der in einer Zeit der grünen Transformation gebraucht wird. Die Sonne scheint und der Wind bläst nicht durchgehend. Das heißt, die neuen Energieträger benötigen Speicherkapazitäten. Dafür steht das Thema des bidirektionalen Ladens. Nimmt man alle Elektroautos zusammen, entsteht eine riesige Speicherkapazität, die zum Bewirtschaften des Energiesektors genutzt werden kann. Woran scheitert es noch? Es scheitert daran, dass wir die gesetzlichen Rahmenbedingungen noch nicht haben. Auch gibt es in der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladeinfrastruktur noch offene Themen. Das muss in den nächsten zwei, drei Jahren kommen. Dann läuft es. Dann werden die Leute auch schnell sehen: Ich kann diese Batterie auf vier Rädern auch gut nutzen, um etwas Geld zu verdienen, wenn ich den Strom ins Netz einspeise.


Woran hängt es, dass der gesetzliche Rahmen rund um das bidirektionale Laden so schwer zu gestalten ist?


Knogler: Es ist schwierig zu antizipieren, wer ist da wie aktiv. Man kann sich natürlich vorstellen, dass es auch Kräfte gibt, die an dieser kleinen Revolution für die Elektromobilität kein Interesse haben. Wir sind davon überzeugt, dass es auf der regulatorischen Ebene, dort, wo die Entscheidungen zu treffen sind, auch eine Opposition gibt. Das sind wahrscheinlich die üblichen Verdächtigen, die im eigenen Geschäftsmodell Nachteile durch die E-Mobilität befürchten.


Arbeiten Sie konkret an einer Wallbox, die bidirektionales Laden erlaubt?


Richter: Natürlich arbeiten wir an den Fragen, die uns in Zukunft beschäftigen werden. Unser Topmodell, die Wallbox KeContact P40, ist hardwareseitig

bereits jetzt entsprechend vorbereitet. Im AC-Segment braucht es generell mehr Kommunikation zwischen Fahrzeug und Wallbox. Also wer sich heute eine P40 kauft, ist bestens gerüstet, auch was das bidirektionale Laden betrifft.


Neue Technologie MADE in Austria: Christoph Knogler, CEO der Keba Group, hat nun auch leistungsstarke Schnelllader für Pkw, Transporter, Busse und Lkw in der Produktpalette.
Neue Technologie MADE in Austria: Christoph Knogler, CEO der Keba Group, hat nun auch leistungsstarke Schnelllader für Pkw, Transporter, Busse und Lkw in der Produktpalette.

Profis der Automation


Die Keba Group AG ist ein international tätiges Technologieunternehmen mit Hauptsitz in Linz, das seit 1968 innovative Automatisierungslösungen für verschiedene Branchen entwickelt und produziert. Mit über 2000 Mitarbeitern und 28 Niederlassungen in 16 Ländern ist Keba in den Bereichen Industrieautomation, Bank- und Dienstleistungsautomation sowie Energieautomation aktiv. Das Unternehmen erzielte im Geschäftsjahr 2024/25 einen Jahresumsatz von etwa 515 Millionen Euro, wobei mehr als 90 Prozent im Ausland erwirtschaftet werden.


Keba gliedert sich in drei operative Geschäftsfelder: Industrial Automation, die Maschinen- und Anlagenbauer bedient. Handover Automation, die Selbstbedienungssysteme und Übergabelösungen für Banken und Logistik anbietet. Und Energy Automation, die Ladestationen für Elektrofahrzeuge und Steuerungen für nachhaltige Heizsysteme entwickelt. Das Unternehmen verfolgt die Mission, durch technologische Innovationen und benutzerfreundliche Lösungen den Menschen das Leben und Arbeiten zu erleichtern.


Keba ist in zahlreichen Ländern mit eigenen Niederlassungen vertreten, darunter China, Deutschland, Italien, Indien, Japan und die USA. Das Unternehmen setzt auf Diversifizierung und langfristige Stabilität durch ein breit gefächertes Portfolio. Jüngste Akquisitionen, wie die Übernahme des KI- und Softwareherstellers 7LYTIX, und die Eröffnung eines E-Mobility-Stores in Linz, stärken die Marktposition weiter.




 
 
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